Delhi – Totale Reizüberflutung

Wir haben es geschafft! Wir sind in Indien, wir sind in Delhi gelandet!

Nach einer 15-stündigen Flugzeit, einem Stopover in Doha (Katar) und einer Zeitverschiebung von etwa vier bis fünf Stunden, haben wir endlich das erste Ziel unserer Weltreise erreicht.

Völlig ausgepowert, betreten wir am frühen Morgen den indischen Boden und spätestens bei der Passkontrolle ist uns klar: Es ist wahr, wir haben es getan, wir sind in Asien und es gibt kein Zurück, wir ziehen es jetzt durch.

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Der verschlafene Zollbeamte donnert uns noch einen Stempel in den Pass und wir dürfen passieren.

Unser Hostel liegt im Stadtteil Paharganj – das Viertel wird im Reiseführer so beschrieben: nicht jedermanns Sache, durch seine Drogenszene und die vielen zwielichtigen Gestalten hat es einen zweifelhaften Ruf. Zudem liegt Paharganj direkt am Main Bazar und in Bahnhofsnähe, weshalb unsere Idee mit der Metro vom Flughafen zum Bahnhof New Delhi zu gelangen gar nicht mal so blöd war, allerdings haben wir die Rechnung ohne dem Jetlag gemacht. Der Plan wird kurzerhand umgeworfen und wir entscheiden uns für die bequemere Variante das Prepaid Taxi.

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Mit quietschenden Reifen verlassen wir den Parkplatz, denn der Taxifahrer hat es offenbar sehr eilig. Gurte sind nicht vorhanden und auch der „Fahrstil“ ist nichts für schwache Nerven. Wir düsen mit der Klapperkiste zuerst durch ein Industriegebiet, breite Straßen öffnen sich vor uns. Es folgt ein elegantes, grün bewachsenes, scheinbar von der betuchteren Gesellschaft bewohntes Viertel und schließlich der Main Bazar – eine lange, enge, bunte, staubige Straße.

Menschen klopfen gegen unsere Fensterscheibe, die ersten Kühe wühlen nach Essensresten im Müll herum und der beißende Geruch von Urin, den man kaum ignorieren kann, liegt in der Luft.

400 Rupien/Euro 5 später heißt es: „Aussteigen, willkommen im Paharganj Viertel.“

Wir laufen die letzten Meter zum Hostel, wir sind müde und es stinkt.

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In einem Abschnitt von nur 200 m möchten uns 15 hilfsbereiten, junge Menschen etwas verkaufen und wir begegnen vier gegen die Wand pinkelnden Männern. Unerträglich aber authentisch.

Immerhin macht das Hostel “The Spot” (400Rp/€5 p.P.) einen ersten guten Eindruck. Wir bekommen ein halbwegs sauberes Zweibett-Zimmer mit Fenster, WC, fließendem Wasser und AC. Das Fenster bleibt für die Dauer unseres Aufenthaltes aber geschlossen, warum brauchen wir hier wohl nicht zu erklären. ;)

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Zu viel für den ersten Moment! Wir erleben nach nur 50 Minuten Indien die absolute Reizüberflutung und fragen uns: War das die richtige Entscheidung?

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Gleich am ersten Tag lernen wir Julius aus Deutschland kennen. Wir verabreden uns zum Abendessen und zum Sightseeing am darauffolgenden Tag.

Julius war schon einmal in Indien und er ist es, der uns hoffen lässt. Während einem Teller Reis, mehr bekommen wir für heute nicht herunter, tauschen wir uns aus. Wir setzen eine Uhrzeit für den morgigen Tag fest und fallen totmüde ins Bett.

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Old Delhi

Morgens um 11 Uhr ging es auch schon los. Auf die Empfehlung des Hostels ein Taxi für den Tag (€12 p.P.) zu reservieren verzichten wir, stattdessen kaufen wir ein Metro Tagesticket für 150 Rp/€ 1,90 und begeben uns auf Sightseeingtour durch Old Delhi.

Regel #1 in Indien: Niemals stehen bleiben, niemals! 

Spätestens ab dem Red Fort kann man sich vor Angeboten nicht retten.

„Do you need a Riksha?“

„Madame you can get tickets here!“

„Red Fort Tour, cheap!“

„TukTuk only 10 Rupia!“ …

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Nach nur wenigen Stunden auf Indiens Straßen entwickeln wir eine Art „Abwehrsystem“ gegen die lästigen Schlepper. Schulter fallen lassen, Kopf einziehen auf den Boden starren und nicht stehenbleiben.

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Unsere Tour ging etwa zwei Stunden durch das Red Fort (Eintritt 250 Rp/€2,50 p.P), anschließend besuchten wir die größte Moschee Indiens Jama Masjid und es folgte ein Spaziergang durch den Gewürzmarkt.

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New Delhi

Den nächsten Tag starteten wir etwas früher. Die Zeit war knapp und wir voller Tatendrang und Neugier. Nach dem leckeren Frühstück in unserem Lieblingscafe „Madan“ ging unsere Erkundungstour weiter. Heute stand der riesige Lotus Tempel auf dem Plan. Das imposante, weiße Gebäude ist ein Bahai-Tempel, sprich das Sakralbauwerk steht den Anhängern aller Relgionen offen und es erinnert ein wenig an die Sydney Oper in Australien.

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Weiter ging es Richtung India Gate, ein 42 m hoher steinerner Monumentalbogen, der an die rund 90.000 verstorbenen indischen Soldaten erinnert. Rund um das Gate erstreckt sich ein gewaltiger Kreisverkehr.

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New Delhi ist das absolute Kontrastprogramm von Old Delhi. Die Straßen sind asphaltiert, Mülleimer stehen an Kreuzungen und hinter hohen gemauerten Wänden stehen prächtige Villen und Häuser.

Was aber das angenehmste an diesem Teil der Stadt ist, ist die Luft. Endlich können wir wieder durchatmen ohne dieses flaue Gefühl im Magen zu bekommen.

Wir besuchen noch das National Gandhi Museum, welches einen faszinierenden Einblick in das Leben von Mahatma Gandhi gibt. Den Tag lassen wir am Connaught Place mit einem Abendessen ausklinken.

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Fazit: Klar, jeder kennt die Bilder aus Indien, allerdings kann kein Bild oder Video der Welt die Situation vor Ort darstellen. Man kann Delhi nicht in Worte fassen, Delhi muss man erleben. Überall herrscht Chaos, die Straßen sind hoffnungslos überfüllt, permanent wird man von Hupgeräuschen verfolgt. Alles darf am Auto defekt sein, nur nicht die Hupe.

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Menschen leben in elender Armut. Der Smog hängt wie eine Glocke über der Stadt. Mistkübeln gibt es nicht oder nicht in allen Teilen der Stadt, alles wird auf die Straße geworfen, der Müll wird einfach zum Nachbarn gefegt, morgen fegt er es wieder zurück, dementsprechend schaut es auch nach Tagen dann aus.

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Zugegeben, am ersten Tag hatten wir echt mit der Situation zu kämpfen, wir konnten keinen Happen herunterkriegen. Die Stadt ist in einem Schleier von Gewürzen, Abgasen und Urin gefangen. Essen ging die ersten Stunden so gut wie gar nicht. Aber nach und nach gewöhnt man sich an die Stadt, nicht nur das, man lernt sie lieben, ja wirklich! Man liebt sie mit all ihren positiven und negativen Seiten. Delhi hat auch seine schönen Facetten, so dreckig die Stadt auch ist, die Leute und ihre Freundlichkeit machen alles wett.

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