Merhaba/Shalom y’all aus Jerusalem

In Israel hat uns Daja, Manus Schwester auf unserem Roadtrip durch den Nahen Osten besucht und hier nun der Gastbeitrag von Dajana Pavic. Genießt ihn!

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nie die Art von Mensch war, die sich sonderlich viel mit den aktuellen politischen Situationen auf der Welt auseinander setzt. Ich wünschte ich hätte jetzt ein gutes Argument parat. Eine Erklärung, warum ich nicht weiß/nicht wusste warum auf manchen Teilen unserer Erde gerade Familien grundlos ausgelöscht werden.

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Warum ich mich nie dafür interessiert habe, was drei Flugstunden von unserer heilen Welt in Europa vorgeht.

Wisst ihr wirklich was momentan in Israel/Palästina passiert?

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Man wurde eine Zeit lang mit Informationen über die aktuelle Situation in Israel und Gaza überhäuft. Medien sollten objektiv berichten. Aber nur weil sie das sollten, heißt es nicht, dass sie das auch machen.

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Ich habe mich spontan dazu entschlossen, meine Schwester und meinen Schwager ein weiteres Mal auf ihrem Roadtrip durch Israel zu begleiten.

Ich habe somit die Chance bekommen mir mein eigenes Bild vor Ort über die Situation zu schaffen. Weit entfernt von den österreichischen und deutschen Medien landete ich in der Nacht am 02.07.2014 um 0:40 am Flughafen in Tel Aviv.

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Bei meiner Ankunft hatte ich einen intensiven Sicherheitscheck erwartet und mich, zu meinem Glück, auf Fragen wie „Wieso sind Sie hier?“ und „Besuchen Sie das Land nur aus touristischen Gründen?“ eingestellt. Nach einer kurzen Befragung schloss ich endlich meine Traveller in die Arme und die Reise ging gleich los. Mit einem Sammeltaxi dem sogenannten “Sherut” kamen wir für (65 NIS/15€ p.P.) nach einer halben Stunde in Jerusalem an.

Unsere Suche nach unserem Hostel führte uns durch das “Jaffa Gate” und bereits am Eingang kamen uns die ersten jungen Soldaten entgegen.

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Man könnte annehmen, dass man sich in ihrer Gegenwart sicherer fühlt, aber von dieser sogenannten ,,Sicherheit“ war nichts zu spüren, als ich das erste Mal die riesigen, vollbeladenen Maschinengewehre sah, die an ihren Schultern herabhingen. Für eine neutrale Person wie mich war es ein unangenehmes Gefühl an ihnen vorbeizugehen. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es den hier lebenden Menschen damit geht.

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Am “Citadel Youth Hostel” angekommen, checkten wir für unsere erste Nacht auf dem Rooftop des Gebäudes ein. Für 55NIS, 12€ p.P. brachten wir unsere Sachen auf den Dachboden und suchten uns unter dem freiem Himmel eine Matratze und einen freien Platz zum schlafen.

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Wenn ich nicht unglaublich müde gewesen wäre, wäre ich vermutlich aufgrund der ständig fallenden Schüsse und Feuerwerksraketen und nicht zu vergessen der schlagenden Kirchenglocke und dem muslimischen Gebetsruf, die ganze Nacht wach gelegen.

Dennoch bin ich froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, denn wie viele können schon von sich behaupten in Jerusalem unter freiem Himmel geschlafen zu haben?

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Relativ früh von der warmen Sonne geweckt, bewunderten wir am nächsten Morgen den Ausblick über die Altstadt. Neben der ein oder anderen Kirche und Synagoge stach vor allem der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel hervor.

Die wenigen Stunden Schlaf am Dach waren erträglich gewesen. Die Nacht war, im Gegensatz zum Morgen, sehr kühl und windig, um sieben Uhr in der Früh wiederum schien uns die Sonne so stark ins Gesicht, dass wir keine andere Wahl hatten als aufzustehen.

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Bevor es mit dem Erkunden der Stadt losging, suchten wir nach einem Supermarkt, um Energie für den Tag zu tanken. Wir setzten uns zum ersten Mal an den “Kreuzrittermarkt” (unser Frühstücks – Stammplatz) und genossen unsere erste Pita mit Hummus. Lecker!

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Um halb acht Uhr morgens sollte man versuchen, die Stadt zu genießen. Man sollte sich mit seinem Frühstück ins Freie, am besten auf den schönen Steinboden, setzen und sich der Sonne hingeben, weil sie zu dieser Tageszeit noch erträglich ist.

Im jüdischen Viertel kann man jetzt die Frauen dabei beobachten, wie sie mit einem Besen und einem Kübel Seifenwasser den Boden vor ihrer Türe sauber bürsten. Während wir dasitzen und unser Frühstück genießen laufen überwiegend Männer an uns vorbei – Männer mit Locken an den Schläfen, langen Bärten, schwarz-weißen Gewändern und schwarzen Hüten. “Ultraorthodoxe Juden” – ein schwarzes Meer aus identisch gekleideten Personen.

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Die Stadt wirkt, in Anbetracht der Umstände fast schon zu friedlich für die morgendliche Ruhe werde ich später noch dankbar sein.

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Unsere erste Station an diesem Tag war der “Ölberg”. Er befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt und genau diese Seite ist ausschließlich mit jüdischen Gräbern bedeckt. Der Grund dafür ist, dass alle jüdischen Gräber immer Richtung Osten der „heiligen Stadt“ ausgerichtet werden. Die meisten Gläubigen möchten an dieser Stelle begraben werden, weil es im Judentum heißt, dass eines Tages der Messias kommen und alle dort begrabenen zum Leben erwecken wird. Für viele ist und bleibt dies, aus finanziellen Gründen, leider nur eine Wunschvorstellung.

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Neben den vielen Kirchen die wir auf unserem Weg nach oben besucht haben, ist mir vor allem die römisch-katholische “Paternosterkirche”, die sich auf der Spitze des Ölbergs befindet, ins Auge gestochen.

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An der Stelle wo heute eine Kirche steht, soll Jesus seinen Jüngern das „Vater-unser“ – Gebet beigebracht haben. In Erinnerung daran, wurden in den Kreuzgängen der Kirche Tafeln aus beschichteten Keramikplatten mit dem Gebet angebracht. Die Kirche liegt an einem unglaublich schönen und ruhigen Ort an dem man sich die Zeit damit vertreiben kann, das Gebet in 140 verschiedenen Sprachen zu bewundern.

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Am Fuße des Berges angekommen, steuerten wir die “Via Dolorosa” – den Leidensweg Jesu’ an. Relativ nah am „Lion Gate“ beginnen die Stationen I-IX. Durch die angebrachten römischen Zahlen und das eine oder andere Schild wird man auf die jeweils folgende Station des Leidensweges Jesu hingewiesen.

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Von der Festung “Antonia” bis hin zur “Grabeskirche” betreten wir jede Station. Wir zünden einige Kerzen an und stellen uns an um die Stelle zu berühren, die auch Jesus bei seinem Kreuzzug berührt haben soll.

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Dennoch fällt es mir sehr schwer mir ein Bild von dem früheren Jerusalem zu machen. Ich vergesse einige Male, dass an den Stellen an denen heute Häuser, Kirchen und Straßen stehen, einst einmal so gut wie nichts war. Der Berg, den Jesus am Tag seiner Kreuzigung bestiegen haben soll, ist in Wahrheit nicht mehr als ein Hügel. Und der Abdruck seiner Hand befindet sich auf einem relativ neu gebautem Haus aus Stein. Auch wenn ich von mir behaupten kann nicht religiös zu sein, versuche ich mich dennoch mitreißen zu lassen und respektiere den Glauben anderer.

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Aber dann gibt es da Dinge, die meiner Meinung nach über ihr Ziel hinausschießen. Ich kam über meinen Reiseführer zu der Information, dass es in der Nähe der ersten Station des Leidensweges eine Art ,,Kreuzverleih“ gibt. Hier bekommen Gläubige die Möglichkeit sich gegen eine Gebühr ein Holzkreuz auszuleihen und Jesus´ Leidensweg aufzunehmen. Zunächst hielten wir das Ganze für einen Scherz, bis wir dann einige Tage später Zeugen wurden wie eine Reisegruppe dieses Kreuz, singend und weinend zugleich, durch die Menschenmassen und den überfüllten Bazar trug.

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An der Grabeskirche angekommen hatten einige Besucher scheinbar unterwegs ihren Respekt verloren. Kaum hatten wir die Kirche betreten sahen wir die ersten, am Boden liegend und weinenden, Menschen die zudem alles, was sich in unmittelbarer Nähe befand, erbarmungslos angegriffen und auch auf die sonst herrschende Ruhe, vergessen haben. Hier wird lauthals gelacht, geweint und getratscht.

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An keiner anderen Sehenswürdigkeit war der Andrang so hoch wie in der Grabeskirche. Für uns drei war es heute, aufgrund der Menschenmasse, unmöglich Einblick in die Grabeskirche zu erhalten. Dafür war unsere Geduld ein wenig zu überstrapaziert und der Magen ließ uns auch keine Ruhe.

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Ein einfacher Spaziergang am Tag durch den Bazar kann für eine Frau trotz männlicher Begleitung eine Qual sein. Noch schlimmer als das ist der Abend in der Altstadt Jerusalems. Gaffende Augen und obszöne Bemerkungen trieben uns wieder zurück ins Hostel. Von nun an genossen wir den Sonnenuntergang mit einer Flasche Wein von der Dachterrasse unseres Hostels, wo wir unter anderem auch auf Marios 27ten Geburtstag angestoßen haben.

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Während den nächsten Tagen in Jerusalem versuchten wir einige Male den “Felsendom” zu besichtigen, leider wurden wir jedes Mal erneut enttäuscht. Der Felsendom war für Touristen aufgrund des Ramadan geschlossen, zudem konnte uns keiner Auskunft darüber geben wann dieser wieder geöffnet wird.

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Also ließen wir den Dom und die “Al-Aqsa Moschee” aus und besuchten die “Klagemauer” bzw. “Western Wall”, die heiligste Stätte der Juden. Vor der 18 Meter hohen und 48 Meter langen Steinwand die sich vor dem Felsendom erstreckt, beten jüdische Gläubige in getrennten Bereichen für Männer und Frauen. Während Christen in sich kehren, bewegen sich jüdische Gläubige beim beten. Mit ihren, hastigen, Bewegungen erfüllen sie somit den Psalmvers. Tritt man näher an die Klagemauer heran erkennt man in den kleinen Spalten der gewaltigen Steine Zettel, diese sind mit Wünschen, Danksagungen und Gebeten gefüllt und werden von den Gläubigen in die Ritzen gesteckt. Einmal im Monat werden diese Botschaften aufgesammelt und anonym auf dem Ölberg vergraben.


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Wir genossen die Zeit in der schönen Altstadt und jedes Viertel hat, rückblickend betrachtet, seine guten und schlechten Seiten.

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Im muslimischen und armenischen Viertel, unseren Favoriten, vertrieben wir uns die Zeit auf dem Bazar mit leckerem Falafel und Hummus – Abu Shukri hatte mit Abstand den besten Hummus und Falafel in Jerusalem.

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Es ist nicht schwer sich von dem orientalischen Flair mitreißen zu lassen, sobald man die bunten Farben und die angenehmen Gerüche der Gewürze wahrnimmt.

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